Das OLG Düsseldorf hat in einem aktuellen Urteil entschieden, dass die D&O-Versicherung nicht die GmbH-Geschäftsführerhaftung gemäß § 64 GmbH-Gesetz wegen nach Insolvenzreife getätigter rechtswidriger Zahlungen deckt.

Nach dem Urteil umfasst der Versicherungsschutz einer D&O-Versicherung nicht den Anspruch einer insolvent gewordenen Gesellschaft gegen ihren versicherten Geschäftsführer auf Ersatz insolvenzrechtswidrig geleisteter Zahlungen der Gesellschaft gemäß § 64 GmbH-Gesetz.

Hintergrund ist, dass gemäß § 64 GmbH-Gesetz ein Geschäftsführer für Zahlungen persönlich einzustehen hat, die trotz Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder der Feststellung der Überschuldung der Gesellschaft geleistet worden sind. Im zu entscheidenden Fall war die Geschäftsführerin einer GmbH gemäß § 64 GmbH-Gesetz erfolgreich von dem Insolvenzverwalter der Gesellschaft in Anspruch genommen worden, da die GmbH nach Eintritt der insolvenzreife noch Überweisungen in Höhe von über 200.000 Euro ausgeführt hatte. Der Insolvenzverwalter hatte ein dementsprechendes rechtskräftiges Zahlungsurteil gegen die Geschäftsführerin erwirkt. Diese Forderung hatte die Geschäftsführerin bei ihrer Versicherung angemeldet und verlangte Freistellung. Nach ihrer Auffassung habe ihre D&O-Versicherung auch für solche gegen sie gerichteten Haftungsansprüche aufzukommen.

Das Urteil dürfte große praktische Bedeutung für Führungskräfte von Unternehmen, Insolvenzverwalter, Versicherungsmakler und Industrieversicherer haben, denn es kommt nicht selten vor, dass Insolvenzverwalter wegen der Regelung in § 64 GmbH-Gesetz die Geschäftsführer von Unternehmen in Anspruch nehmen.

 

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Seit Inkrafttreten des neuen Geldwäschegesetzes am 26.06.2017 sind juristische Personen des Privatrechts und eingetragene Personengesellschaften nach § 20 Abs. 1 GwG dazu verpflichtet, bestimmte Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten dieser Vereinigungen einzuholen, aufzubewahren, auf aktuellem Stand zu halten und – sofern nicht die Meldefiktion des § 20 Abs. 2 GwG greift – der registerführenden Stelle (der Bundesanzeiger-Verlag GmbH) unverzüglich zur Eintragung in das Transparenzregister – erstmals zum 01.10.2017 – mitzuteilen.

Seit dem Ende 2017 ist die Einsichtnahme in das Transparenzregister möglich, dessen Einzelheiten die Verordnung über die Einsichtnahme in das Transparenzregister vom 19.12.2017 (Transparenzregistereinsichtnahmeverordnung – TrEinV) regelt.
Die Einsichtnahme erfolgt auf Antrag (§ 5 TrEinV). In diesem haben Behörden zu bestätigen, dass die Einsichtnahme zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben erforderlich ist (§ 6 TrEinV). Stellt ein GwGVerpflichteter (z. B. Kreditinstitute, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Notare) einen Antrag auf Einsichtnahme in das Transparenzregister, so hat er darzulegen, dass er Verpflichteter nach § 2 GwG ist und dass die Einsichtnahme zur Erfüllung seiner Sorgfaltspflichten in einem der in § 10 Abs. 3 GwG genannten Fälle erfolgen soll. Zur Darlegung des berechtigten Interesses bei Antragstellung durch sonstige Personen können nach § 8 Abs. 1 TrEinV z. B. geeignet sein: a) bei NGOs ihre Satzung, b) bei Journalisten ein Journalistenausweis jeweils mit einer Darstellung von bereits getätigten oder geplanten Recherchen im Bereich der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Bei Zweifeln an der Berechtigung des Antragstellers können von der registerführenden Stelle weitere Informationen zur Darlegung der Berechtigung angefordert werden. Auf Verlangen der registerführenden Stelle ist die Berechtigung ggf. durch eidesstattliche Versicherung nachzuweisen (§ 7 f. TrEinV).

Um missbräuchliche Zugriffe auf das Transparenzregister zu erkennen, zu unterbinden und zu verfolgen, ist die registerführende Stelle verpflichtet zu protokollieren, welcher Nutzer wann in welche Daten des Transparenzregisters Einsicht genommen hat (§ 10 Abs. 1 TrEinV).

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Basierend auf ihrer Strategie für den digitalen Binnenmarkt hat die EU-Kommission im April 2018 zwei Richtlinienentwürfe zu gesellschaftsrechtlichen Themen vorgelegt. Darin schlägt sie vor,

  • das Prozedere für Firmengründungen zu digitalisieren und
  • die Regeln für grenzüberschreitende Umwandlungen zu reformieren.

Die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung zum grenzüberschreitenden Formwechsel wird durch verschiedene Grundsatzentscheidungen unterstrichen (siehe auch unseren Beitrag vom 26.06.2018). Der Gerichtshof der Europäischen Union hatte schon in einem Urteil aus dem Juli 2012 (C-378/10) entschieden, dass ein Mitgliedstaat der EU, der für inländische Gesellschaften die Möglichkeit einer Umwandlung (Formwechsel) vorsehe, verpflichtet sei, dieselbe Möglichkeit auch Gesellschaften zu geben, die dem Recht eines anderen Mitgliedstaates unterliegen und sich in eine Gesellschaft nach dem Recht des aufnehmenden Mitgliedstaates umwandeln möchten.

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Steilvorlage für den EuGH zur Sanierungsklausel des § 8c KStG

Der EuGH hat in einem Urteil vom Oktober 2017 (Az.: C-106/16) den grenzüberschreitenden Rechtsformwechsel von Gesellschaften erleichtert. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union können Gesellschaften, die ihren satzungsmäßigen Sitz in einen anderen Mitgliedstaat verlegen wollen, nicht zur Liquidation verpflichten.

Der EuGH hat in seinem Urteil festgestellt, dass die unionsrechtliche Niederlassungsfreiheit gemäß Art. 49 Abs. 2, 54 AEUV einer nationalen Regelung entgegenstehe, die vor einer grenzüberschreitenden Sitzverlegung in einen anderen Mitgliedstaat ein durchgeführtes Liquidationsverfahren im Wegzugstaat voraussetzt.

Die Niederlassungsfreiheit umfasse das Recht des grenzüberschreitenden Formwechsels auch dann, wenn nur der satzungsmäßige Sitz verlegt werde. Eine Ausübung der wirtschaftlichen Tätigkeit im Aufnahmestaat sei nicht erforderlich.

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Rückstellungen in Handels- und Steuerbilanz gehören in der deutschen Wirtschaft nach Art, Inhalt und Höhe zu den besonders bedeutsamen Bilanzposten – sowohl in der Handles- als auch in der Steuerbilanz. Rückstellungen werden in der Literatur viel diskutiert, bilden einen wichtigen Bereich in der Rechtsprechung und sind ein Bereich, in dem Handels- und Steuerbilanz immer mehr auseinander laufen.

Die Bewertung von Rückstellungen geht in Handels- und Steuerbilanz strukturell getrennte Wege, die Einhaltung des klassischen „Maßgeblichkeitsprinzips“ ist insbesondere bei diesem Bilanzposten nicht erkennbar. Handelsbilanziell sind Rückstellungen für Sach- und Geldleistungsverpflichtungen seit dem BilMoG vom 25.05.2009 mit dem nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung notwendigen Erfüllungsbetrag anzusetzen und – bei mehr als einjähriger Restlaufzeit - mit einem laufzeitadäquaten durchschnittlichen Marktzins bis zur Inanspruchnahme abzuzinsen. Für steuerbilanzielle Zwecke sieht § 6 Abs.1 Nr. 3a EStG abweichend zur Handelsbilanz und mit dem Ziel eines „Fiskalschutzes“ vor zu hohen Rückstellungen dagegen eine Bewertung mit Preisen zum Bilanzstichtag vor – also ohne nachstichtagsbezogene Wertveränderungen (nach oben wie nach unten). Darüber hinaus fordert der Steuergesetzgeber eine Abzinsung von langfristigen Rückstellungen mit 5,5 % (ungeachtet der Marktzinsentwicklungen). Gleichzeitig hat der Fiskus jedoch eine steuerbilanzielle Rückstellungsobergrenze eingeführt: „Mit Ausnahme der Pensionsrückstellungen darf die Höhe der Rückstellung in der Steuerbilanz den zulässigen Ansatz in der Handelsbilanz nicht überschreiten.“ (R 6.11 Abs. 3 EStR 2012).

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Wer sich bei einer sanierungsbedürftigen GmbH als Sanierungsberater engagiert, setzt sich einem besonderen Haftungsrisiko aus.
Der Insolvenzverwalter ist gemäß § 60 Abs. 1 Satz 1 InsO allen Beteiligten zum Schadensersatz verpflichtet, wenn er schuldhaft die Pflichten verletzt, die ihm nach diesem Gesetz obliegen. Ferner schuldet der Insolvenzverwalter gemäß § 61 Satz 1 InsO einem Massegläubiger Schadensersatz, wenn eine Masseverbindlichkeit, die durch eine Rechtshandlung des Insolvenzverwalters begründet worden ist, aus der Insolvenzmasse nicht erfüllt werden kann. Beide Vorschriften statuieren Schadensersatzpflichten des Insolvenzverwalters.

Im Rahmen des im zu beurteilenden Falles war über das Vermögen der Schuldnerin ein Insolvenzverfahrens im Rahmen der Eigenverwaltung – ohne die Einsetzung eines Insolvenzverwalters (§ 270 InsO) – angeordnet worden. Mithin war die Schuldnerin auch während der Dauer des Insolvenzverfahrens nach § 270 Abs. 1 Satz 1 InsO berechtigt, unter der Aufsicht eines Sachwalters die Insolvenzmasse zu verwalten und über sie zu verfügen.

Nach der Auffassung des BGH können die Vorschriften der §§ 60, 61 InsO in der Eigenverwaltung einer juristischen Person analog auf die vertretungsberechtigten Geschäftsleiter angewendet werden. Damit hat der BGH in der Revision ein Urteil des OLG Düsseldorf vom September 2017 (I-16 U 33/17) aufgehoben und zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

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